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Tierische Geschichten
Wenn Sie lustiges und interessantes über ihre gefiederten Freunde zu erzählen haben,
dann können Sie das auf dieser Seite tun.
Schicken Sie uns ihren Text mit oder ohne Fotos zu und wir veröffentlichen diesen auf unserer Website.
Wir freuen uns über jede Geschichte. Sie finden die E-Mail Adressen unter
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Zur Zeit haben wir folgende Geschichten:
Poppa und Sidi
Die Krummschnäbel von Jolanda und Helmut Neiger-Bay:
Geflügelter Smaragd - Smarty, die Blaustirn-Rotbug-Amazone
Sunny, die Gelbstirn-Amazone
Sancho, der Macho
Ein Sonnenstrahl namens Kyo
Sunny's letzter Sommer
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Poppa und Sidi
Ich bin der Graupapagei Poppa. Meine Pflegemutter heisst Sidi. Ich
bin bildschön und habe einen hochroten Schwanz. Ich kam als Baby zu Sidi.
Sie hat mich mit der Spritze gefüttert. Jetzt bin ich erwachsen. Man
sagt ich bin ein munteres Papageienmädchen. Ich fliege in der ganzen
Wohnung herum und bin nur nachts in meinem "Haus", damit ich mich
eingewöhnen kann.
Ich kann sehr gut sehen. Die Leckerbissen auf dem Tisch von Sidi
entgehen mir nicht. Die Grundnahrung sind Sonnenblumenkerne, Hirse,
Früchte und Gemüse. Ich kann auch sehr gut hören. Den etwa hundert Meter
entfernten Pfau höre ich gut und auch durch geschlossene Fenster ahme
ich sein Schreien nach. Wenn jemand an der Türe ist, rufe ich: " Wer
isch da?" und" Nur inne!". Wenn Sidi im Badezimmer ist, setze ich mich
auf die Türklinke und rufe: " Sidi, wo bisch?". Wenn Sidi nach Hause
kommt, sitze ich in der Küche, aber ich höre sie und rufe: " Sidi, bisch
da, lueg a moll". Das Telefon imitiere ich perfekt. Auch das Postauto
und das Zeitzeichen im Radio Kann ich nach pfeifen. Neu habe ich den
Berner Marsch pfeifen gelernt. Auch einen Satz aus der Liturgie pfeife
ich.
Ich spiele mit allem, was rund ist, z.B. mit leeren
Medikamentenröllchen. Ich liebe Sidi sehr, aber ich kann nicht
verstehen, weshalb sie zetert, wenn ich auf einer Zimmertür sitze und
dieselbe verhacke. Auch schimpft sie, wenn ich den Besuchern die Knöpfe
an den Blusen abnehmen will oder ich ihr die Medikamente stehle und sie
verschlucke. Sidi kauft mir italienische Peterli und stellt sie ins
Wasser. Sie sollen meine Palme sein. Wenn ich dann baden will, reiße ich
den Becher um und suhle mich auf dem Rücken liegend im nassen Peterli.
Dann hänge ich mich an Sidis Kragen und schüttele das Wasser aus.
Wenn Sidi mich nicht mehr pflegen kann, weiß ich, dass ich ein schönes
neues Zuhause finden werde, wo ich eine Familie gründen will. Ich hoffe,
dass mir die Umstellung gelingen wird.
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Geflügelter Smaragd - Smarty, die Blaustirn-Rotbug-Amazone
Vor über einem Vierteljahrhundert begegnete ich Smarty zum ersten Mal. Er
sass in einem kleinen Käfig auf dem Trottoir vor einer Zoohandlung. Das zweite
Mal, als ich diese Strasse entlang ging, blieb ich neben diesem gefangenen Vogel
stehen. Er beachtete mich nicht, sein Blick schweifte an mir vorbei, sehnsüchtig
in die Ferne. Beim dritten Zusammentreffen betrat ich das Geschäft, um mich über
diese Vogelart und die Haltung, sowie über Literatur über dieses grünschillernde
Geschöpf zu informieren, das mich so gefangen hielt.
Die Verkäuferin betonte, dass Amazonen-Papageien zu "problemlosen" Haustieren
würden, wenn man die Punkte befolge, die zu damaliger Zeit in einem hier
einzigen erhältlichen Buch beschrieben und erklärt seien. Mich dünkte, die
Voraussetzungen seien gegeben, um dieser Amazone ein Heim zu bieten, vor allem,
weil wir in ein paar Monaten von der Wohnung, die wir jetzt bewohnten, in ein
Eigenheim umsiedeln würden.
Dem Buch folgte Vogel und Käfig, und - viel viel Unerwartetes! In seinem
neuen Zuhause angekommen, sass Smarty nicht mehr still mit weltfremdem Blick in
seinem Käfig. Smarty signalisierte mit seinem ganzen Verhalten nur eines, er
wollte raus, raus und nochmals raus aus diesem Marterraum, was ich auch mehr als
verständlich fand. Die erforderlichen Käfig-Mindestmasse für diese
Papageiengrösse war zu dieser Zeit 40 cm Breite, 40 cm Tiefe und 50 cm Höhe.
Meine Amazonen haben eine Länge von 32 cm bis 38 cm. Dazu muss ja wohl nichts
weiter erwähnt werden, oder? In dieser Tierhaltung unerfahren, fragte ich mich
dann aber doch, woher Smarty scheinbar das Leben ausserhalb des Käfigs kannte.
Unzählige Telefonate ergaben, dass Smarty wegen seiner ausserordentlichen
Schönheit auf der Durchreise von einem Mann direkt von einem Papageienhändler
abgekauft worden war. In diesem Haushalt lebte bereits ein Graupapagei, der sich
aber mit dieser Amazone nicht vertrug. Die Besitzer waren sehr musikalisch, und
Smarty verpfuschte die ganze Klassik, indem er lautstark mitsang, was auch dazu
führte, dass der Vogel weg musste, dahin, wo ich ihn fand. In den ersten Tagen
der Eingewöhnung sollte ich Smarty jedoch nicht aus dem Käfig lassen, riet mir
das Zoofachpersonal. Smarty jedoch sah das anders, und als er begriff, dass
seinem Willen nicht Folge geleistet wurde, griff er zu der allen Papageien
eigenen, schier unschlagbaren Waffe! Er begann zu schreien, ohne heiser zu
werden!
Den ersten Reklamationen der Mitbewohner folgte die erste Morddrohung ... (man
werde dem Vieh den Hals umdrehen, wenn es nicht bald schweige...)!
Das Befolgen des zweiten Rates, den Käfig des Schreihalses mit einem Tuch
abzudecken, endete damit; dass ich aus jedem noch so kleinen Spalt zwischen Tuch
und Aussenwelt ein orange-grünes Auge spähen sah. Spätestens jetzt war mein Herz
erweicht, ich konnte nicht mehr anders, ich öffnete die Käfigtür. Äusserst
zufrieden tappte Smarty raus, untersuchte alles leise vor sich hin plappernd,
schüttelte mal tüchtig sein Gefieder durch und - machte natürlich keine
Anstalten mehr, freiwillig sein Gefängnis aufzusuchen.
Selbstredend bekam er sein Futter nur im Käfig angeboten, aber Smarty holte
sich Kern für Kern dort raus, um sie im Freien zu schälen und essen. Erst, als
ich ihm seinen Futtertrog ganz weit oben und hinten befestigte, blieb mir
manchmal die Zeit, die Käfigtür zu schliessen, während er drinnen noch
beschäftigt war. Welch Erleichterung bei dem Gedanken, dass er bald ein eigenes
Papageienzimmer bewohnen konnte!
Nach dem Umzug konnte sich Smarty in diesem Zimmer frei bewegen. Wir hatten
eine wunderschöne, einmalige Zeit miteinander. War ich allein im Haus, konnte
Smarty zum Fliegen den ganzen Wohnraum benutzen. Aber er war vom Gebrauch seiner
Flügel gar nicht sonderlich angetan, er "ritt" viel lieber auf meiner Schulter
sitzend überall hin. Wir assen, tanzten, sangen (Smarty sang wirklich
schrecklich blechern aber aus voller Kehle!) zusammen und beobachteten gemeinsam
die Vögel im Garten. Bald ahmte der Vogel die Stimme von Krähe, Bussard und
Milan nach. Ich konnte mich an Smarty's Schönheit nicht satt sehen. Das metallen
schillernde grüne Gefieder mit den roten und bläulichen Farbspielen, seine gelbe
Maske und die einmalig dunklen, grün-orange umrandeten Augen; seine geschickten
Füsse, die wendige Zunge und sein Unternehmungsgeist. Ich entdeckte immer wieder
Neues an ihm. Smarty war für mich ein ganz spezielles Wunder der Schöpfung. Ich
durfte seinen Kopf kraulen, seine Zehen massieren, seine Federn während der
Mauser aus den Hülsen befreien, wobei Smarty mir bei jeder Feder "sagte", ob die
Federhülse zum Abschälen schon "reif" sei oder nicht. Er beknabberte meine
Finger, den Haaransatz, Augenbrauen und Wimpern, während wir schwatzten und
alberten.
Doch dann begann Smarty immer öfters, mich plötzlich zu beissen. Seine Augen
glühten wie ein Leuchtfeuer, er gackerte mich mit nach vorn gestellten Flügeln
an, zerbiss zornig alles, was erreichbar war. Kurz - hier war die Gemeinschaft
Vogel und Mensch an seine Grenzen gestossen. Smarty balzte mich an, und weil ich
mich nicht "fügte", wurde er aggressiv. Jetzt flog er mich in heftigen Attacken
an und hackte auf mich ein. War seine Triebphase wieder abgeklungen, konnte
Smarty wieder ganz annehmbar sein, aber diese Zeiten wurden immer kürzer.
Er bekam von meinem Mann (diesem grossem Schatz!!) eine schöne, selbst
gefertigte Zimmervoliere, denn unbeaufsichtigt konnte Ich die Amazone nicht mehr
herumfliegen lassen, nachdem sie mich einige Male blutig gebissen hatte. Auch
wenn er auf meine Schultern flog, endete dies nicht selten mit einem
Schnabelhieb in Hals, Arm oder Schulter, so dass ich auch unser "Taxifahren"
unterbinden musste.
Papageien-Experten klärten mich darüber auf, dass Smarty nun ein "Gspänli"
brauche, Einzelhaltung sei tierquälerisch.
Nachdem ich mir nun ein halbes Jahr lang ein schlechtes Gewissen anreden und
-lesen liess, begegnete ich Sunny ... aber das ist eine andere Geschichte.
Smarty dürfte nun an die 30 Lenze zählen, ich hatte ihn als ausgewachsenen
Vogel erworben. Ganz scheint auch er die Zeit unserer innigen Freundschaft nicht
vergessen zu haben. Wenn er besonders gut drauf ist, hält er mir seinen Kopf zum
Kraulen hin, schaut mich mit seinen einzigartigen Augen bittend an, und dann bin
Ich einfach glücklich, was ihn aber nie davon abhält, plötzlich die kosenden
Finger zu attackieren.
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Sunny, die Gelbstirn-Amazone
Lange Zeit musste ich wöchentlich eine Lokalität aufsuchen, die in der Nähe
einer Zoohandlung lag. Ich sah dort viele Papageien kommen und gehen, aber auch
Sunny, die immer, bei wechselnden Partnern zu zweit in einem kleinen, engen
Abteil sitzen blieb. Ob ihre mangelnde Schönheit der Grund war, dass sie
scheinbar niemand wollte, weiss ich nicht. Ihre Schaukelsymptome wurden
zusehends häufiger - sie wiegte sich hin und her, her und hin - mit grossen
aufgerissenen Augen ins Leere starrend, hin und her.
Sunny wirkte sanft und verträglich, vielleicht auch resigniert. Wie sonst
hätte sie jahrelang das Anglotzen, Anpöbeln und Foppen der Passanten ertragen
können?!
Bald holte ich Sunny da raus, als Partnerin für Smarty, wie ich hoffte. Aber;
Smarty akzeptierte Sunny nicht, er jagte sie durch das ganze Haus. Sunny war nur
noch verstört und verängstigt. Nach etlichen Versuchen sah ich ein, dass ich die
beiden Vögel getrennt halten musste. Toll!! Da stand ich Blauauge nun mit zwei
Vögeln, die sich nicht vertrugen. Nie und nimmer konnte ich den beiden Amazonen
nur im Geringsten gerecht werden, ich konnte mich ja auch nicht zweiteilen.
Sunny war seelisch und körperlich in keinem guten Zustand. Sie wirkte steif und
ungeschickt, verwirrt und panisch. Das Gefieder war glanzlos und unvollständig
und der Gang schleifend. Die einzige Papageienspezialistin zu dieser Zeit wohnte
etliche Kilometer von uns entfernt. Ein Untersuch dort ergab deutliche Schäden
an Beinen und Füssen durch Gewalteinwirkung, sowie alle Symptome eines
allergieanfälligen Vogels. Sein Atem rasselte wie eine rostige Türe.
Da Sunny sich nicht berühren liess, wurden die Behandlungen für sie und mich
zur Qual. Ich versuchte alles, was sie stresste, auf ein Minimum zu reduzieren,
aber trotzdem mussten Inhalationen, Medikamentengaben und Überwachung sein. Aber
Sunny lehrte mich wieder, an Wunder zu glauben und aus kleinen Chancenetwas
Sinnvolles aufzubauen. Sunny überlebte. Aber Sunny war einsam. Bis ich Sancho
zum ersten Mal sah - nein, nicht sah, sondern hörte! Aber das ist wiederum eine
andere Geschichte...
Sunny (der gelbe Stirnfleck erinnert mich an die Sonne) ist nie wirklich zahm
geworden, was ich auch nie von ihr erwartet habe. Jahrelang verkroch sie sich
schon bei Blickkontakt. Es brauchte zehn Jahre (!) bis sie in meiner Gegenwart
die Futteraufnahme nicht mehr unterbrach und über fünfzehn Jahre, bis sie mir
einen Leckerbissen aus der Hand nahm. Sunny ist sanft geblieben, und manchmal
wiegt sie sich und ihre Partner mit leisem Gesumme in den Schlaf.
Mit gleicher monotoner Stimme begrüsst sie den Regen oder besingt draussen
den Wind. Dann denke ich, dass Sunny trotz allen Widrigkeiten das Träumen nie
ganz vergessen hat. Dafür gebührt meiner bescheidenen, lieblichen Sunny mein
grösster Respekt und meine unverhohlene Bewunderung.
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Sancho, der Macho
Wie bereits erwähnt, Sancho hörte ich schon, bevor ich ihn sah, als
ich das Geschäft betrat, uni Vogelfutter zu kaufen. Die gestaute Energie
quoll förmlich zwischen den Stäben des viel zu kleinen Käfigs hindurch.
Die orange-braunen Augen dieser Venezuela-Amazone guckten herausfordernd
und sie stellte die goldenen Wangenfederchen auf, wenn sie gut aufgelegt
war. Das war diese Amazone immer, wenn ich sie traf. Inzwischen etwas
erfahrener, was Vogelhaltung betraf, brachte ich Sancho, so der Name
dieses Papageis, bei meinen nächsten Einkäufen ein Ästchen oder ein paar
Beeren als Abwechslung zum Benagen mit.
Doch dann war Sancho's Platz plötzlich leer! Auf Grund seines
vorwitzigen Wesens hatte man ihn in eine kinderreiche Familie verkauft.
"Das war's dann, Goldbäckchen, mach's guet"! sandte ich der kleinen,
frechen Amazone in Gedanken nach.
Ein paar Wochen später, der Futtervorrat ging zu Ende, tönte mir ein
bekanntes Geschrei entgegen, bevor ich den Laden richtig betreten hatte.
"Goldbäckchen" sass wieder an seinem gewohnten Platz. Die Plazierung war
gescheitert!
Die Amazone war sichtlich aufgeregt, als sie mich sah, sie erinnerte
sich noch an mich, denn sie verlangte: "Tschoggola, he, he", was der
Aufforderung nach einem Leckerbissen gleichkam. Trotz dieser amüsanten
Einlage konnte nicht mehr überhört werden, dass Sancho sich zu einem
Schreier entwickelt hatte. Der Ladenbesitzer war wütend und verzweifelt.
Er befürchtete, Sancho vermassle ihm das ganze Geschäft mit seiner
Urwaldstimme. Erschreckte Kunden glaubten dann, alle Papageien seien so
laut und sähen vermehrt von einem Vogelkauf ab. Am liebsten würde der
Zoofachhändler der Nervensäge den Hals ... ja eben! Oder der Vogel würde
endlich ein Gspänli finden, dann lege sich das Schreien aus Einsamkeit
und Langeweile von selbst. Dann fing sich ein Gedanke in meinem
Hinterkopf zu formen. Sollte ich...?
Ich beschloss, es mit Sancho und Sunny zu versuchen. Und - sie fanden
sich, Sunny und Sancho - wenn auch nicht immer reibungslos, aber sie
mochten sich auf Anhieb. Sancho's lustiges, neckisches Wesen wurde
manchmal etwas zuviel für die eher ängstliche und humorlose Sunny und
auch sein Machogehabe zwang Sunny oft zum Rückzug.
Sancho ist ein Quecksilber, eine Frohnatur, ein Gaukler, ein
Entertainer. Er ist schlau, gewitzt, aber auch laut und rücksichtslos.
Er ist der kleinste im Schwarm und ein Herzensbrecher und notabene ...
ein Schreier geblieben!
Sancho ist ein chronischer "Durchfaller", weil er, was eine
Nachuntersuchung seines Blutes ergab, eine Psittakose, eine auf den
Menschen übertragbare Viruserkrankung, durchgemacht hat und vermutlich
nicht optimal behandelt wurde.
Heute leben alle gefiederten Smaragde, Smarty, Sunny und Sancho,
unter einem Dach, mal mehr mit, mal mehr nebeneinander. Aber dies ist
wiederum eine andere Geschichte, die erst noch geschrieben werden muss.
Obwohl ich nicht zu den Menschen gehöre, die ein langes Tierleben
einem glücklichen Tierleben gleichsetzen, hat es mich doch betroffen
gemacht, als ich in einer deutschen Fachzeitung gelesen habe, dass das
Durchschnittsalter eines in privater Gefangenschaft gehaltenen
Grosspapageien nur sechs Jahre beträgt! Amazonen können aber gut und
gerne 50-60 Jahre alt werden. Man kann sich also gut vorstellen, dass da
vieles zum Schlechten steht!
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Ein Sonnenstrahl namens Kyo
Es war ein bezauberndes Bild - auf einem Gestell stand ein Zimmerbrunnen,
daraus plätscherte leise singend sanft Wasser, und auf den ersten Blick wie
nicht echt - sass ein selten schönes Nymphensittich-Pärchen. Es machte keine
Anstalten wegzufliegen, sie schnäbelten miteinander; putzten und plusterten
sich. Die Ausstrahlung ihres Glücklichseins war umwerfend.
Ein paar Tage später, als unser Sohn David und ich die Zoohandlung erneut
betraten, schlug uns sofort eine kalte Veränderung entgegen! Der Brunnen stand
zwar noch dort, aber leblos ohne Wasser und fast ohne Gefieder. Bei längerem
Verweilen sahen wir einen Verkäufer, der immer wieder einen der beiden
Nymphensittiche auf den Brunnen setzte, der flog aber sogleich wieder zum
WellensittichKäfig hinüber. Langsam dämmerte uns das Unfassbare. Es war immer
wieder derselbe Vogel, der da zurückgesetzt wurde. Man hatte das Pärchen
getrennt, einen Vogel allein verkauft!!! Die Hartnäckigkeit von dem Mann, den
Vogel immer wieder zurückzusetzen, war bemerkenswert. Plötzlich sagte David
langsam und traurig: "Mam, ich verzichte auf ein Töffli zu meinem 14.
Geburtstag, ich würde lieber diesen einsamen Nymphensittich mit nach Hause
nehmen." Ich sah den Ernst in den Augen meines jungen.
Kyo war der freundlichste, fröhlichste und bestgelaunteste Vogel, den wir je
hatten. Durch ihn schien die Sonne auch an trüben Tagen aus seinen gescheiten
Augen.
Es entstand eine fabelhafte Freundschaft zwischen David und Kyo, in die auch
noch Davids Wellensittich Luzi einbezogen wurde, wenn auch Kyos Bezug eindeutig
David galt. David musste immer höllisch aufpassen, dass seinem neugierigen,
unternehmungslustigen Federfreund nichts passierte, denn Kyo versuchte David
überall hin zu folgen, sogar unter die Dusche.
Zappelig erwartete Kyo Davids Heimkehr. Dieser rief schon beim Eingang: "Salü
Kyo, wie goht's?", und Kyo nuschelte zurück: "Salü Kyo, wie goht's?" Morgens
weckte er "seine" Familie pünktlich mit dem Radetzki-Marsch.
Der ganze Vogel, ja, jede Feder bebete vor Freude, wenn er David rief und
wieder sah, er spreizte seine herrlichen Flügel und nickte David mit seinem
Köpfchen zu, auf dem das stets lebendig zittrige Häubchen sass.
Während David Hausaufgaben machte, spielten Kyo und Luzi mit all den Sachen,
die so auf einem Schreibtisch herumliegen, was David oft zum Eingreifen bewog,
wenn es für die Tiere gefährlich wurde. Dann konnte Kyo schimpfen wie ein
Rohrspatz, stibitzte noch schnell einen Gegenstand und flog flink auf den
Schrank oder das Büchergestell, nur um David zu ärgern. Dort oben liess Kyo dann
das gestohlene Etwas wieder fallen, sobald David einen Hocker geholt hatte, um
dem Frechdachs das Diebesgut wieder abzunehmen.
Ich weiss nicht mehr, wie oft David seine Arbeiten nachschreiben musste, weil
Kyo sein "Siegel" auf das Papier klatschte, noch, wie viele Bücher wir
nachkauften, weil sich unser Nympheli weiterbilden wollte. Aus Kyos gescheiten
Augen blitzte der Schalk, und wenn er im Begriff war, etwas anzustellen, kniff
er diese Leuchtkügelchen etwas zusammen, damit man darin nicht mehr "lesen"
konnte. Drei Jahre später kam David ums Leben. Lange, lange Zeit rief Kyo noch
immer seine Begrüssung, wenn er annahm, es könnte David sein, der das Haus
betrat. Später wurde er immer stiller, schliesslich verstummte sein vergnügtes
Gequassel. Auch der Radetzki-Marsch verkümmerte nach den ersten paar Takten. Wir
hörten keines der Lieder mehr, die er mit David gesungen oder gepfiffen hatte.
Luzi war kein Trost für Kyo. Alle anderen sechs Nymphensittiche, die wir ihm
nach und nach zugesellten, lehnte er ab. Selbst Miko, eine zierliche, feenhafte
Henne konnte sein Herz nicht erobern. Unermüdlich flog sie ihm nach, schob sich
sachte millimeterweise näher heran, senkte das Köpfchen, um von Kyo liebkost zu
werden, gluckste und flüsterte ihm ihre Zuneigung zu. Kyo vertrieb sie so, wie
sie ihn suchte. Nach ein paar Jahren starb Miko ganz plötzlich, wie sie immer
gelebt hatte, so nah wie möglich bei ihrer unerfüllten Liebe.
Kyo hatte die Zahmheit mir gegenüber nie abgelegt. Er freute sich immer, wenn
ich das Vogelzimmer betrat, flog mir auf die Schulter und erzählte mir manchmal
leise etwas Vertrauliches. Kurz flackerten da manchmal noch die Sternchen in
seinen Augen auf, in Erinnerung an eine andere Zeit. 17-jährig, wurde Kyo immer
schwächer. Eines Tages fiel er, in die Mulden meiner Hände gekuschelt, in ein
Koma, nicht ohne mich vorher nochmals anzusehen, bevor sein Köpfchen nach unten
fiel und die silberne Haut seiner Lider sein Leuchten verschloss.
Ich hoffte von ganzem Herzen, dass Kyo bald einschlafen konnte. Ich behielt
in die ganze Nacht in meinen Händen. Er erwachte nicht mehr, sein Gefieder
begann sich zu verkleben, aber sein Herz hörte nicht auf zu schlagen. Nach
vierundzwanzig Stunden Ohnmacht, machte die Spritze des Tierarztes diesem
einmaligen Lebensgefährten den Abschied endgültig. Seitdem fehlt der ganz
grossen Sonne ein winziger Strahl, wenn sie auf unsere Erde scheint. Aber das
bemerkt keiner, der nicht von Kyo weiss.
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Sunny's letzter Sommer
In Gedenken an Sunny, Jolanda Neiger-Bay
Gestern Nacht starb Sunny, meine tapfere, sanfte, vom Glück ihr Leben lang
unbegünstigte Gelbstirnamazone.
Ihre erloschene Einzigartigkeit hinterlässt tiefe, schmerzliche Spuren in
meiner Seele.
Sancho, ihr Partner und Smarty, ihr Verehrer suchen Sunny überall. Sancho
will kein Futter zu sich nehmen, er will nur fliegen, davon fliegen, zu Sunny.
Smarty ruft, .. horcht, ..ruft wieder, .. hebt zitternd seine Flügel ...
Es ist entsetzlich traurig …

Sunny
Das Amulett der Sonne ziert deine Stirn. Im schlichten Grün dein Federkleid, wo bist du hin?
Hast’ uns verlassen ... Es tut weh!
Gibst’ du Gewissheit mir, dass ich dich wiederseh’?
Nun bist du frei!!! Kannst endlich fliegen vibrierst in sanftem, leichten Wiegen
...
In grenzenlosem Flug fühlst du den Wind durch deine Federn streifen
...
kannst immer noch nicht ganz begreifen ...
Und doch, du fliegst, den Wolken immer näher, kein Käfig hält dich mehr zurück! Welche Verzückung, welch ein Glück!
Wenn Regen auf die Dächer tropfte, hast in sein Lied du eingestimmt. Mit leichtem Schaukeln sehr genossen, die Töne, die vom Himmel flossen.
Besuche uns in unser’n Träumen! Die Tür wird immer offen sein. Doch eines musst du einfach wissen,
am Meisten werden wir vermissen, das Lied, das Sunny mit dem Regen sang
...
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